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Literatur des Mittelalters

Christine de Pizan

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Christine de Pizan (1365 – ca. 1430). Sie ist die noch in Venedig geborene Tochter des italienischen Astrologen und Arztes Tomaso Pizzano und kommt als Kind mit ihm an den französischen Hof, als er Leibarzt von König Charles V. wird. Hier wird sie sehr jung mit einem Höfling verheiratet und beginnt, nach ihrer frühen Verwitwung (1389) und ihrer Verarmung durch Erbschaftsprozesse, zu schreiben. Sie ist die erste Autorin der französischen Literatur, die (samt ihren drei Kindern) mehr oder weniger von ihrer Schriftstellerei lebt, und zwar indem sie von ihren zahlreichen Werken Prachthandschriften anfertigen lässt, die sie gegen fürstliches Entgelt fürstlichen Mäzenen widmet, vor allem der franz. Königin Isabeau de Bavière und den zur Königsfamilie gehörenden Herzögen Louis d'Orléans, Jean de Berry und Philippe de Bourgogne.
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Christine beginnt als Lyrikerin unter dem Einfluss von Eustache Deschamps, wobei sie z.B. in sehr persönlich wirkender Weise den Verlust des geliebten Gatten beklagt (Ballades du veuvage, Cent ballades d'amant et de dame). Sie schreibt dann mehr lehrhaft-philosophisch, u.a. ein Lehrbuch für angehende Fürsten (L'Épître d'Othéa, 1400), Betrachtungen über das Wirken Fortunas in ihrem eigenen Leben und in der antiken Geschichte (La Mutacion de Fortune, 1403), oder einen Traktat über die Mädchenerziehung, Le Livre des trois vertus (1404), und schließlich politisch motivierte Werke, in denen sie vor allem auf die vielen Kriege und Bürgerkriege im Frankreich des intermittierend geistesgestörten Königs Charles VI. (1380–1422) reagiert, hinter dem ständig verschiedene Personen und Parteien um die Macht im Staate kämpfen und dabei immer wieder auch England als profitierenden Dritten in ihre Streitereien hineinziehen (z.B. Lamentations sur les maux de la guerre, 1420). Politisch intendiert ist auch eine apologetische Biografie (1405) des großen Königs Charles V. (1364–1380), der die Engländer fast aus Frankreich hinausgedrängt und das Land vorübergehend befriedet hatte. In letzter Zeit wird Christine auch als eine Feministin avant la lettre gehandelt: 1400 verfasste sie Le Dit de la rose, im dem sie die fiktive Gründung eines frauenfreundlichen "Rosenordens" (Ordre de la Rose) beschreibt und die misogynen Tendenzen von Jean de Meung im Rosenroman kritisiert, womit sie die sog. Querelle du Roman de la rose entfesselte, den ersten Pariser Literatenstreit in der Geschichte der franz. Literatur. Als ihr interessantestes feministisches Werk gilt Le Livre de la Cité des dames (1405), der utopische Entwurf einer Gesellschaft, die den Frauen Gleichberechtigung gewährt.

1429 wird sie noch Zeugin der Heldentaten von Jeanne d'Arc, der "Jungfrau von Orléans", der sie nach schon längerem Schweigen einen Lobpreis widmet (Dictié en l'honneur de la Pucelle, 1429). Hiernach ist nichts mehr bekannt von ihr. In ihren fast 40 Schaffensjahren hat Christine die mit Abstand produktivste Feder ihrer Zeit.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur
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