|
Alfred de Musset ist geboren und aufgewachsen als Sohn adeliger Eltern in Paris. Seine Schulzeit absolviert er mit Glanz im Traditionsgymnasium Henri-IV. Danach ist er ephemärer Jura- und Medizinstudent und ein frühreifer Dichter, der sich ab 1828 in Victor Hugos Cénacle bewundern lässt.
Schon 1830 erscheinen die Contes d'Espagne et d'Italie, eine Sammlung äußerst formvollendeter Gedichte im Stil der Romantik, voller Exotik und exaltierter Gefühle. 1834 stürzt ihn ein romantisch-leidenschaftliches, bald enttäuschtes Liebesverhältnis zu George Sand in eine Krise, die ihn zu Gedichten voller Weltschmerz inspiriert (gesammelt publiziert als Nuits, 1835 u. 1837), aber auch zu dem autobiografischen Roman Confessions d'un enfant du siècle (1836), dessen Protagonist Octave einer jener desillusionierten, sich selbst und der Welt problematischen romantischen Helden ist.
Seit 1830 schreibt Musset auch Theaterstücke, nach einem ersten Misserfolg (La Nuit vénétienne, 1830) jedoch nur noch zum Lesen. Sie erscheinen ab 1832 in mehreren Lieferungen gesammelt unter dem Titel Spectacles dans un fauteuil und Comédies et Proverbes (1840). Die heute bekanntesten und auch häufiger aufgeführten sind Les Caprices de Marianne (1833), Fantasio und On ne badine pas avec l'amour (1834), sowie Lorenzaccio (1835). Erstere handeln von enttäuschter Liebe, letzteres spiegelt die politische Enttäuschung Mussets und vieler Intellektueller seiner Generation, die große Hoffnungen in die Julirevolution von 1830 gesetzt hatten und sich betrogen fühlten durch das rasch von der Großbourgeoisie vereinnahmte und ab 1832 zunehmend autoritäre und repressive Regime von König Louis-Philippe.
Offenbar mehr und mehr unfähig, seinen sich verbürgerlichenden Schriftstellerberuf und sein adeliges Selbstbild miteinander zu vereinbaren, flüchtet sich Musset nach 1840 in Dandytum und Alkoholkonsum, ist viel krank und schreibt nur noch wenig. Immerhin erhält er 1845 das Kreuz der Légion d'honneur und wird er 1853 in die Académie gewählt, nachdem er sich dem neuen Regime von Louis-Napoléon Bonaparte, dem Second Empire, angeschlossen hat.
Als bleibende Leistung Mussets gilt sein dramatisches Werk, das er nach dem anfänglichen Misserfolg nicht mehr mit Blick auf die Theaterpraxis der Zeit und gemäß der gerade herrschenden romantischen Theaterdoktrin verfasste, sondern nach seinen eigenen, gemäßigt klassizistischen Vorstellungen, die sich langfristig als richtiger erwiesen haben als z.B. die seines erfolgreicheren Zeitgenossen Victor Hugo, dessen Stücke heute kaum mehr aufgeführt werden.
|
|