|
Als Sohn eines hohen Richters am Parlement von Bordeaux (dem obersten Gerichtshof der Aquitaine) stammt Michel de Montaigne aus der hohen noblesse de robe (Amtsadel). Er genießt eine umfassende Bildung und wird mit 21 selbst Richter, zuerst am Steuergericht (Cour des aides) von Périgueux und dann am Parlement von Bordeaux, das ihn mehrfach zu Verhandlungen mit dem König nach Paris schickt (wo er sich 1562 feierlich zum Katholizismus bekennen muss).
1568 erbt er (unter anderem das Gut und Schlösschen Montaigne), verkauft sein Richteramt und lebt als Landedelmann auf seinen Gütern. Bald gelangweilt, schreibt er ab 1571 seine Essais, locker strukturierte, immer wieder überarbeitete, kürzere und längere Betrachtungen über sich selbst und die Welt aus der Sicht eines skeptischen und selbstkritischen Geistes. Nach dem Erscheinen einer ersten Version der Essais 1580 unternimmt er eine längere Reise durch Süddeutschland und Italien, während der ihn 1581 die Nachricht erreicht, dass er zum Bürgermeister von Bordeaux gewählt worden ist. Wirklich übt er das Amt vier Jahre lang aus, wobei er sich zwischen Protestanten und Katholiken zu vermitteln bemüht, bis er sich desillusioniert wieder an seinen Schreibtisch zu den Essais zurückzieht, von denen 1588 eine erweiterte zweite Version erscheint. Die Essais wurden jahrhundertelang viel gelesen; sie wurden vor allem epochemachend als erstes europäisches Beispiel der anschließend erfolgreichen Gattung Essay.
Montaigne hatte großen Einfluss auf die französischen "Moralisten" des 17./18. Jh. Er gilt heute neben Rabelais als bedeutendster Autor des 16. Jh.
|
|