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Charles Maurras. Aufgewachsen in Aix, geht er nach dem baccalauréat nach Paris, wo er sich als Essayist und früh auch als politischer Journalist betätigt. 1898, in der Frankreich tief spaltenden "Dreyfus-Affäre" (dem Streit um die Verurteilung des vermeintlichen pro-deutschen Spions Dreyfus, der aber, wie sich bald herausstellte, unschuldig war), ist Maurras einer der aktivsten Anti-Dreyfusards, d.h. ein Gegner der Revision oder gar des Freispruchs.
Um dieselbe Zeit gründet er mit anderen Literaten die sog. "école romane", die die Wurzeln der französischen Kultur im griechisch-römischen Erbe und ihren reinsten Ausdruck in der Klassik sieht, wogegen die angeblich jüdisch-germanisch (!) geprägte Romantik Auslöser der Französischen Revolution und damit der Beginn allen Übels für Frankreich gewesen sei. Er selbst propagiert in vielen Büchern, Broschüren und Artikeln die Wiedereinführung der Monarchie als Staatsform und (obwohl er selbst Atheist ist) die Retablierung des Katholizismus als Staatsreligion, unter deren beider Dach ein starkes, ideologisch geeintes Frankreich entstehen soll, das dem Deutschen Reich wirtschaftlich, militärisch und geistig-moralisch Paroli bieten kann.
Maurras' Organisationsbasis ist zunehmend die 1899 gegründete rechtsextreme Bewegung Action française, die auch über eigene Jugend- und Studentengruppen in die Gesellschaft hineinzuwirken versucht und ab 1908 die sehr einflussreiche Zeitschrift L'Action française herausgibt.
Im 1. Weltkrieg 191418 ist Maurras eine der ideologischen Stützen der "Union sacrée" zwischen den Rechten Parteien und den Sozialisten, die sich, genau wie in Deutschland, bei Kriegsbeginn von Internationalisten zu Nationalisten bekehrt hatten. Bis in die 30-er Jahre hinein gilt Maurras als maître à penser (Vordenker) des konservativen, nationalistischen Frankreich; sein Einfluss auf die rechten Intellektuellen und die rechten Politiker der Zwischenkriegszeit (z.B. den späteren Staatschef von Deutschlands Gnaden, Maréchal Pétain) ist kaum zu überschätzen.
1945 wird er als angeblich deutschfreundlicher (!) Kollaborateur zu einer längeren Haftstrafe verurteilt und aus der Académie Française ausgeschlossen, die ihn 1936 aufgenommen hatte. Er stirbt neunzigjährig in einem Gefängniskrankenhaus. Sein Name und sein Wirken waren im Nachkriegsfrankreich jahrzentelang tabu.
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