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Jean Lemaire de Belges
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ca. 1473 |
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nach 1515 |
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Jean Lemaire de Belges. Sein bedeutendstes und zu seiner Zeit viel gelesenes Werk ist Les illustrations de Gaule et singularitez de Troye (1509/13), eine romanartige Geschichte Trojas und des Frankenreichs. Lemaire verknüpft Trojaner und Franken über die Figur des Francus, eines (bei Homer nicht erwähnten) angeblichen Sohnes von Hektor, der sich zusammen mit dem späteren Rom-Gründer Aeneas aus dem von den Griechen eroberten Troja gerettet und seinerseits das alte Gallien gegründet habe, dessen Fortführung wiederum das frühmittelalterliche Frankenreich gewesen sei. Die Illustrations stützen sich auf viele im heutigen Sinne pseudohistorische, d.h. fiktionale Quellen (z.B. eine zeitgenössische lateinische Ilias-Übertragung); sie sind motiviert vom Wunschtraum des Autors, das alte Frankenreich, also vor allem Frankreich, (West)Deutschland und die inzwischen habsburgischen Niederlande (Holland, Belgien, Luxemburg) wieder zu vereinen, und sei es zunächst nur zum Zweck eines gemeinsamen Kreuzzugs gegen die Türken, die 1453 das christliche Byzanz (heute Istanbul) erobert hatten. |
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Lemaire, der aus der Grafschaft Hainaut/Hennegau südwestlich von Brüssel stammt, begann die Illustrations 1505 als Sekretär der Margarete von Habsburg, der (frankophonen) Regentin der Niederlande, und stellte sie fertig als Sekretär der französischen Königin Anne de Bretagne, der Gattin von Louis XII. Er selber bildete also gewissermassen eine Klammer zwischen dem Ost- und dem Westteil des alten Frankenreichs (das sich unter Karl dem Grossen um 800 von Lübeck bis Barcelona und Florenz erstreckt hatte). Die Illustrations (zumindest Teil I) wurden gedruckt in Lyon, dem zu dieser Zeit bedeutendsten französischen Druckort.
Lemaire, der 1506 und 1508 in Italien gereist und dort mit der voll erblühten italienischen Renaissance-Kultur in Berührung gekommen war, ist auch bekannt als Lyriker sowie als Autor der heiter-melancholischen Lettres de l'amant vert, der fiktiven Briefe eines Papageis aus dem Jenseits (1505).
1509 und 1511 unterstützte er literarisch-propagandistisch die Großmacht-Ambitionen von Louis XII. in Italien sowie dessen Versuch, eine vom Papst relativ unabhängige französische Kirche zu schaffen.
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