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Glossar

Der Vers________
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  frz. – le vers
.
. Der traditionelle französische Vers wird anders "gemessen" als der deutsche. Im letzteren misst man Hebungen und Senkungen, wobei nur die Hebungen zählen, vgl. den vierhebigen Trochäus "Máx und Móritz, díese béiden" oder den vierhebigen Jambus "In állen Wípfeln spürest dú" oder den vierhebigen Daktylus "Pfíngsten, das líebliche Fést, war gekómmen".

Im französischen Vers dagegen (wie übrigens auch im italienischen und spanischen) misst man die bloße Silbenzahl (le nombre des syllabes). So ist z. B. der Vers "Sans autre forme de procès" achtsilbig (wobei die jambische Struktur eher zufällig ist und unberücksichtigt bleibt), und der Vers "[ils]/ Prennent des albatros, vastes oiseaux des mers" ist zwölfsilbig. Hierbei ist zu beachten, dass ein unbetontes bzw. in der heutigen Aussprache normalerweise stummes e wie in prennent oder vastes gesprochen werden muss und somit zählt und dass Diphthonge wie das oi in oiseaux normalerweise als einsilbig rechnen.

Die häufigsten Versformen der französischen Lyrik (la poésie française) sind

  • der Siebensilber (heptasyllabe),
  • der Achtsilber (octosyllabe),
  • der Zehnsilber (décasyllabe) und
  • der Zwölfsilber (alexandrin).

Gezählt wird allerdings immer nur bis zur letzten betonten Silbe des jeweiligen Verses. Eine unbetonte Schlusssilbe mit e als Vokal wird nicht mehr mitgerechnet, vgl. den Vers "Souvent, pour s'amuser, les hommes d'équipage", wo die Schlusssilbe –ge nicht mehr zählt (während das e in hommes gesprochen werden muss, die Silbe –mes also zählt).

Zu beachten ist auch, dass innerhalb eines Verses ein unbetontes –e am Wortende vor einem mit Vokal beginnenden nachfolgenden Wort in der Regel nicht gesprochen und gezählt, sondern durch "Elision" (élision) getilgt wird, vgl. den Vers "Le poète est semblable au prince des nuées", wo das auslautende –e in poète vor dem darauffolgenden est und das –e in semblable vor dem au elidiert werden (während das –e in prince gesprochen werden muss). Ein Sonderfall ist die Diärese (diérèse), die vorliegt, wenn ein eigentlich zu elidierendes auslautendes –e dennoch gesprochen werden muss, damit die Silbenzahl des Verses stimmt, oder wenn aus demselben Grund ein Diphthong, der normalerweise einsilbig ist (z. B. ié in amitié oder ieu in précieux), zweisilbig zu sprechen ist.

Längere Verse werden oft durch eine regelmäßig eintretende Zäsur (césure) in zwei Halbverse (hémistiches) geteilt; dies gilt praktisch immer für den Alexandriner, vgl. den Vers "A peine les ont-ils | déposés sur les planches". Nicht selten übrigens fällt die Zäsur zusammen mit einer Elision, vgl. den Vers "Qui hante la tempête | et se rit de l'archer", wo, da das auslautende –e von tempête vor dem nachfolgenden et elidiert wird, die Zäsur quasi auf dem elidierten e liegt.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Einführung in die Literaturwissenschaft

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