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Jean Giraudoux wächst auf als Sohn eines kleinen Beamten in südwestfranzösischen Kleinstädten. Dank eines Begabten-Stipendiums kann er das Gymnasium in Châteauroux besuchen, dann die classes préparatoires des Lycée Lakanal (wo der bekannte Germanist Charles Andler sein Interesse für Deutschland weckt) und schließlich die École Normale Supérieure, die er 1905 als bester seines Jahrgangs mit dem diplôme d'allemand abschließt. Es folgt ein längerer Deutschlandaufenthalt als Hauslehrer bei einer reichen französischen Familie in München. Danach präsentiert Giraudoux sich jedoch nicht, wie eigentlich geplant, zum concours für die agrégation, sondern geht als Französischlektor nach Harvard (USA).
Nach seiner Rückkehr 1907 lebt er in Pariser Intellektuellenkreisen und schreibt Erzählungen, die 1909 als Provinciales gesammelt erscheinen und ihm erste Anerkennung bringen. 1910 wird er Privatsekretär des Zeitungsmagnaten Bruneau-Varilla und publiziert Erzählungen und Literaturkritiken in dessen Zeitung Le Matin. Nachdem er sich als Journalist für Politik zu interessieren begonnen hat, bewirbt er sich 1911 für den diplomatischen Dienst und wird in die Ausbildung aufgenommen.
1914 wird er Soldat. Er wird mehrfach verwundet und für Tapferkeit vor dem Feind ausgezeichnet. 1917 publiziert er sein Kriegstagebuch als Lettres pour une ombre. Die letzten Kriegsmonate verbringt er als militärischer Ausbilder in Portugal, das rasch noch Deutschland den Krieg erklärt hat und seine Armee modernisiert. Von dort zurück, beendet und publiziert Giraudoux seinen ersten Roman, Simon le pathétique.
In den nächsten 20 Jahren führt er ein Doppelleben als Diplomat (wobei er aber meist am Quai d'Orsay, im Außenministerium, arbeiten kann) und als Schriftsteller (zunächst überwiegend mit Romanen, die aber heute kaum mehr gelesen werden). 1928 verarbeitet er seinen in Deutschland spielenden Roman Siegfried et le Limousin von 1922 zu einem Stück, das als Siegfried mit großem Erfolg von dem bekannten Regisseur Louis Jouvet inszeniert wird. Jouvet animiert ihn zu weiteren Stücken, die dann in Serie folgen:
- 1929 Amphitryon 38, ein heiteres Stück um die Zeugung des Herkules durch den als Amphitryon maskierten Jupiter;
- 1931 Judith;
- 1933 Intermezzo;
- 1935 La Guerre de Troie n'aura pas lieu, ein Stück, das die Kriegsängste vieler Franzosen angesichts der Hitlerschen Aufrüstung und der wachsenden Destabilisierung Europas verarbeitet;
- 1937 Électre, ein Stück, in dem sich die politische Polarisierung Frankreichs nach dem Wahlsieg der Volksfront vom Sommer 1936 spiegelt;
- 1939 Ondine, ein märchenhaftes, trauriges Stück, das die Ängste und Verdrängungswünsche vieler Franzosen kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs zu reflektieren scheint.
Nach Kriegsbeginn wird Giraudoux zum "commissaire général à l'Information" ernannt, einer Art Propaganda-Minister; er zieht sich aber nach dem deutschen Angriff, dem "blitz allemand", im Mai 1940 und der Etablierung des Pétain-Regimes im Juni mehr und mehr ins Private zurück. In der relativen Normalität, die trotz der deutschen Besatzung, der occupation, in Paris von Herbst 1940 bis etwa Ende 1943 herrscht, publiziert er eine Sammlung von Vorträgen und Essais und schreibt weiter Stücke: Sodome et Gomorrhe, L'Apollon de Bellac, La Folle de Chaillot und Pour Lucrèce. Letzteres wird 1943 sogar aufgeführt, während La Folle de Chaillot, eine bitter-melancholische Satire auf das Treiben der Spekulanten und Geschäftemacher im besetzten Paris, erst postum 1945 auf die Bühne kommt.
Anfang 1944 stirbt Giraudoux an einer Lebensmittelvergiftung. Während sein Romanwerk auch zu seinen Lebzeiten nur mäßige Geltung erlangt hat, war sein Theater zwei bis drei Jahrzehnte sehr erfolgreich. Es hat vor allem wegen seiner Sprache gewirkt, die in einer unverwechselbaren Mischung Witz und Tiefsinn, Banalität und Poesie vereint und spätere Dramatiker, z.B. Jean Anouilh, stark beeinflusst hat.
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