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Literatur des 20. Jahrhunderts

Anatole France

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    Geburtsdatum 16. April 1844
    Geburtsort

    Paris

    Sterbedatum 12. Oktober 1924
    Sterbeort

    Gut-la-Béchellerie (Indre-et-Loire)

    Anatole France (= Anatole François Thibaut) ist Buchhändlersohn und erhält eine gute Schulbildung am Pariser Collège Stanislas. Er wird zunächst Bibliothekar, dann Verlagslektor, betätigt sich aber früh auch als Literaturkritiker, Lyriker, Dramatiker und vor allem Romancier. Sein Durchbruch ist der Roman Le Crime de Sylvestre Bonnard, membre de l'Institut (1881), der den Prix de l'Académie française erhält und ihm 1884 auch das Kreuz der Légion d'honneur einträgt. Es ist ein rührseliger Roman in Tagebuchform, der die Geschichte eines weltfremden Buchgelehrten erzählt, der im zunächst eher zufälligen Einsatz für Hilfsbedürftige (eine Witwe, ein Waisenkind) das wirkliche Leben findet.

    1889 erscheint der historische Roman Thaïs; er erzählt die im Alexandria des 4. Jh. angesiedelte Geschichte eines asketischen Christen, der die Kurtisane Thaïs zu bekehren versucht, dabei aber selbst bekehrt wird zu einem sinnenfroheren Leben. (1894 von Jules Massenet zu der Oper Thaïs verarbeitet.) Sehr erfolgreich auch ist La Rôtisserie de la Reine Pédauque (1893), ein handlungsreicher Roman im Stil der "contes philosophiques" des 18. Jh., der angeblich einem zufällig wiedergefundenen Manuskript aus dieser Zeit entnommen ist.

    Der in der Gegenwart spielende Roman Le Lys rouge (1894) ist die Geschichte der schwierigen Liebe einer Bankiersfrau zu einem Maler. 1899-1901 erscheinen die vier Bände der Romantetralogie Histoire contemporaine, die den Übergang Frances von der Satire und der bloßen Kritik sozialer Missstände zum politischen Engagement sichtbar machen (das sich auch mit seiner Stellungnahme in der Dreyfus-Affäre und im Zola-Prozess manifestiert).

    Engagiert ist denn auch die bissige Erzählung L'Affaire Crainquebille (1901), die von den Resozialisierungsschwierigkeiten eines durch einen Justizirrtum vorbestraften Gemüsehändlers berichtet. Am berühmtesten wurden Frances Romane L'Ile des Pingouins (1908) und Les Dieux ont soif (1912). Ersterer ist ein sarkastisches Resümee der vorangehenden Jahrzehnte der französischen Geschichte, deren Ereignisse travestiert in ein fiktives Pinguin-Reich verlegt sind; der andere ist die Geschichte eines fanatischen Richters und seiner Opfer während der Schreckenszeit der Revolution, d.h. ein Appell gegen den politischen Fanatismus.

    Nachdem er schon 1896 in die Académie gewählt worden war, erhält France 1921 den Literatur-Nobelpreis. Nach Gründung des PCF 1920 wird France einer der ersten prokommunistischen Intellektuellen ("compagnons de route"). Heute ist er, trotz seines Ruhmes zu Lebzeiten, fast vergessen, nicht zuletzt, weil er in seinen letzten Lebensjahren das Pech hatte, von der Generation der Surrealisten als Buhmann benutzt und attackiert zu werden.

    nach: Prof. Gert Pinkernell,
    Französische Literatur
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    Werke:

    • Le Crime de Sylvestre Bonnard, 1881
    • Le Livre de mon ami, 1885
    • Thaïs, 1890
    • Le Lys rouge, 1894
    • Crainquebille, 1903
    • L'Ile des pingouins, 1908
    • Les Dieux ont soif, 1912
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