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Literatur der Klassik

Fontenelle

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    Geburtsdatum 1657
    Sterbedatum 1757
    Fontenelle (= Bernard le Bouvier de Fontenelle) entstammt einer amtsadeligen Juristenfamilie aus Rouen und ist Neffe der Dramatiker Pierre und Thomas Corneille.

    Nach Studien bei den Jesuiten geht er nach Paris, wo er als galanter Lyriker, Komödienschreiber, Opernlibrettist, Prosa-Autor und als gesuchter Salon-Animateur reüssiert. 1683 erscheinen seine Dialogues de morts, fiktive Dialoge zwischen berühmten Toten aus der Antike und der jüngeren Vergangenheit, z.B. zwischen Sokrates und Montaigne. Hauptthema sind die nach Fontenelle ganz unberechtigten Vorurteile seiner Zeitgenossen zugunsten der Antike, Vorurteile, die er seine antiken Sprecher witzig oder pseudo-naiv ad absurdum führen lässt. (Folgerichtig wird Fontenelle 1687 einer der ersten Parteigänger Perraults in der "Querelle des Anciens et des Modernes".)

    1686 erscheinen seine Entretiens sur la pluralité des mondes, ein fiktiver Dialog, in dem ein gebildeter Mann von Welt einer interessierten adeligen Dame (und mit ihr einem wohl als überwiegend weiblich vorgestellten Publikum) das astronomische Wissen der Zeit gemäß Kopernikus, Galilei, Kepler und Descartes erklärt. Von der Kirche wird das Werk erwartungsgemäß auf den Index gesetzt, weil es das ptolemäische Weltbild widerlegt, doch kann ein arrivierter Autor wie Fontenelle inzwischen mit einer solchen Indizierung leben, ohne größere Nachteile zu haben.

    Ebenfalls 1686 erscheint die Histoire des oracles, eine in elegantem Plauderton gehaltene Bearbeitung eines lateinischen Traktats zum gleichen Thema. Hierin beleuchtet Fontenelle verschiedene in antiken Quellen beschriebene Weissagungen und Wunder kritisch in einer Weise, die von den Jesuiten sehr richtig als Kritik auch biblischer Weissagungen und Wunder verstanden wurde.

    1691 wird Fontenelle nach drei erfolglosen Kandidaturen in die Académie gewählt. 1697 wird er Mitglied auch der 1666 gegründeten Académie des Sciences, 1699 wird er ihr Secrétaire perpétuel. In dieser Eigenschaft schreibt er zahlreiche "éloges" von Naturforschern, deren Leistungen er mit seiner eleganten Feder popularisiert.

    1701 wählt ihn auch die Académie des Inscriptions et des Belles Lettres zum Mitglied. Er verkörpert als erster den für die Epoche der Aufklärung so charakteristischen Typ des philosophe, d.h. eines allseitig interessierten, sowohl belletrische, als auch philosophische und naturwissenschaftliche Werke verfassenden Autors. Zusammen mit dem zehn Jahre älteren Pierre Bayle gilt Fontenelle heute als einer der wichtigsten Wegbereiter der europäischen Aufklärung.

    nach: Prof. Gert Pinkernell,
    Französische Literatur
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