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Als Sohn eines kleinadeligen Richters (conseiller) am Parlement von Rennes, dem Obersten Gerichtshof der Bretagne, verbringt René Descartes seine Schulzeit im Jesuitenkolleg in La Flèche. Danach studiert er Recht an der Universität Poitiers und wird dort 1616 licencié en droit. Gleichzeitige Studien an der medizinischen Fakultät bringen ihn zu ersten Zweifeln an der damals mehr aus Dogmen als aus kritisch überprüftem Wissen bestehenden Medizin. Die Entdeckungen Galileo Galileis, von denen er liest, lassen ihn dann an der überkommenen aristotelischen Naturwissenschaft insgesamt zweifeln. Er wird allerdings zunächst Soldat und nimmt unter Moritz von Nassau und später unter Maximilian von Bayern teil an den ersten Kämpfen des Dreißigjährigen Krieges (16181648) in Deutschland, in den sich das unter Richelieu langsam zur Vormacht Europas aufsteigende Frankreich immer wieder einmischt.
Im Winterquartier Ende 1619 hat er eine Erleuchtung: Er will kein anderes Wissen mehr akzeptieren außer dem, das er in sich selbst oder dem "großen Buch der Welt" findet. Er hängt den Soldatenrock an den Nagel, unternimmt lange Reisen und treibt Studien als Privatgelehrter, zuerst in Paris, ab 1629 im freieren Holland, von wo aus er mit Gelehrten und auch geistig interessierten Damen in ganz Europa korrespondiert. 1628 erscheint sein erstes philosophisches Werk, die Regulae ad directionem ingenii, in der noch vorherrschenden Wissenschaftssprache Latein. Ein erstes physikalisches Werk, Le Monde, das Descartes in der sich langsam profilierenden und durchsetzenden neuen Wissenschaftssprache Französisch verfasst, lässt er unpubliziert, als er vom Schicksal Galileis erfährt, der gerade (1633) zum Widerruf seiner Theorien gezwungen worden war. 1637 publiziert er den Discours sur la methode, sein langfristig wirksamstes Buch, das nach der Meinung vieler Franzosen den französischen Nationalcharakter im Sinne des auf Logik und Ordnung bedachten esprit cartésien geformt hat.
Fixpunkte des Discours sind:
- eine Erkenntnistheorie, die nur das als richtig und als gut akzeptiert, was durch die eigene individuelle Reflexion und Erfahrung als richtig und gut verifiziert ist;
- eine Ethik, gemäß der das Individuum sich im Sinne des Allgemeinwohls selbst zu kontrollieren hat;
- eine Theologie, die zwar (per Gottesbeweis) die Existenz eines vollkommenen Schöpfer-Gottes annimmt, aber kirchenartigen Institutionen wenig oder keinen Raum lässt;
- eine auf der Annahme von Naturgesetzen beruhende Physik, die den Menschen die Erklärung und vollständige Beherrschung der Natur als Aufgabe setzt.
Ebenfalls bedeutsam wurde Descartes' Traité des passions de l'âme (1649), der die "Leidenschaften" als nur zu natürliche Ausflüsse der Körperlichkeit des Menschen interpretiert, diesem als einem intelligenten Wesen aber ihre Kontrolle durch die Vernunft und durch den Willen zur Pflicht macht. Descartes stirbt Anfang 1650 an einer Lungenentzündung in Stockholm, wohin er von seiner langjährigen Briefpartnerin, der Königin Christina von Schweden, eingeladen worden war. Die berühmte Maxime cogito, ergo sum ("ich denke, also bin ich"), die seiner Erkenntnistheorie zugrundeliegt, ist noch heute allen gebildeten Europäern geläufig. Descartes' dauerhafteste wissenschaftliche Leistung war allerdings mathematisch: die Entwicklung der analytischen Geometrie.
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