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Pierre Corneille (16061684). Geboren in Rouen in einer Familie königlicher Beamter, erhält er eine klassische Schulbildung in einem Jesuitenkolleg, studiert Jura und ist früh Inhaber zweier kleinerer Ämter. Schon 1630 erfolgt in Rouen die Aufführung seines ersten Stücks, der Komödie Mélite, durch die Truppe des berühmten Schauspielers Mondory, die später das Pariser Théâtre du Marais gründet. Nach einer Reihe anderer, heute als unbedeutend geltender Stücke erzielt Corneille 1636 mit der Tragikomödie (tragicomédie) Le Cid den Durchbruch.
Die im 11. Jh. in Spanien spielende Handlung beruht auf einer spanischen Vorlage (Las Mocedades del Cid von Guillén de Castro, 1618) und zeigt den Konflikt einer jungen Frau, die beim König ihren Verlobten anklagen muss, weil der ihren Vater, der wiederum seinen schon alten Vater beleidigt hatte, zum Duell gefordert und tödlich verletzt hat. Der König begnadigt jedoch nach einigem Hin und Her den angeklagten jungen Mann, weil er sich als Heerführer gerade große Verdienste bei der Verteidigung der Stadt Sevilla erworben hat, und verlobt ihn nochmals mit der Klägerin.
Der beachtliche Erfolg des Stücks mobilisiert viele Neider, die letztlich positive Darstellung des Duells unter Adeligen provoziert den allmächtigen Minister Richelieu, der Duelle gerade verboten hatte. Beide Faktoren führen zu einer heftigen Kontroverse, der querelle du Cid, in der Corneille vordergründig mit dem Argument attackiert wird, er habe die drei Einheiten vor allem die des Orts und die der Zeit nicht respektiert. Richelieu sorgt dafür, dass die neugegründete Académie Française beauftragt wird, ein Urteil abzugeben (das höflich-negativ ausfällt).
Erst vier Jahre später (1640) schreibt der verschreckte Corneille das nächste Stück, Horace, eine Tragödie um den Konflikt von Pflicht und Staatsräson einerseits, Liebe und Menschlichkeit andererseits. Er beachtet diesmal die Einheiten peinlich genau und widmet das Stück Richelieu.
Ebenfalls 1640 entsteht Cinna, die Geschichte einer Verschwörung republikanischer römischer Patrizier gegen Kaiser Augustus und der großmütigen Vergebung des Letzteren, als er die Verschwörung entdeckt (eine Handlung, in der sich ein zeitgenössisches Adelskomplott gegen Louis XIII bzw. gegen Kardinal Richelieu und dessen zentralistischen Absolutismus spiegelt).
1641 wird Polyeucte, eine Märtyrer-Tragödie mit eingebauter Liebesgeschichte, zwar beim Publikum ein Erfolg, der Klerus aber tadelt Corneille für die Profanierung eines geistlichen Stoffes durch Darstellung auf der Bühne.
In den nächsten Jahren beherrscht Corneille die Pariser Bühne:
- 1642 La Mort de Pompée (Tragödie)
- 1643 Le Menteur (Komödie)
- 1644 Rodogune
- 1651 Nicomède
- 1652 Pertharite, roi des Lombards (Tragödien).
Das letztere Stück gerät zum Misserfolg, Corneille zieht sich für sieben Jahre schmollend nach Rouen zurück (und überlässt seinen Platz in Paris u. a. seinem jüngeren Bruder Thomas, der ebenfalls Dramatiker ist). 1659 kehrt er auf Drängen des neuen Groß-Mäzens, des Finanzministers Nicolas Fouquet, zurück mit der Tragödie Oedipe, die ein großer Erfolg wird. Danach schreibt er noch zahlreiche Stücke, doch sein Ruhm verblasst allmählich neben dem der neuen Star-Dramatiker Molière und vor allem Racine.
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