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Literatur der Klassik

Pierre Bayle

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    Geburtsdatum 1647
    Sterbedatum 1706
    Pierre Bayle stammt aus einer hugenottischen Pastorenfamilie, studiert ab 1666 an der protestantischen Akademie von Puylaurens (heute Dép. Tarn), ab 1669 am Collège von Toulouse, wo er zum Katholizismus konvertiert. 18 Monate später bereut er dies und flüchtet als Renegat nach Genf. Dort verdingt er sich als Hauslehrer (précepteur) und beschäftigt sich mit der Philosophie von Descartes.

    1675 wird er Philosphieprofessor an der protestantischen Akademie von Sedan in Lorraine, das damals formell noch Teil des Deutschen Reiches ist. Als die Akademie 1681 im Rahmen der zunehmenden Einschnürung des französischen Protestantismus und der zunehmenden Vereinnahmung Lothringens durch Frankreich geschlossen wird, flüchtet Bayle, wie viele protestantische französische Intellektuelle, nach Holland. In Rotterdam findet er an einer neugegründeten Hochschule eine Professur.

    1682 erscheint sein erstes Buch: Pensées diverses sur la comète de 1680 (den ca. alle 30 Jahre an der Erde vorbeikommenden sog. Halleyschen Kometen). Hierin wiederlegt er die abergläubischen Vorstellungen, die man damals mit Kometen verband und die von vielen Theologen zur Verängstigung und Disziplinierung der Gläubigen ausgenutzt wurden. In einem zweiten Arbeitsgang entwirft er die Grundlagen einer nicht religiös (d.h. christlich) bestimmten Moral bzw. Ethik, wobei er von der damals unerhörten These ausgeht, dass ein Atheist nicht zwangsläufig auch unmoralisch sein und sittenlos handeln müsse.

    Schon die Pensées waren nicht nur den Katholiken, sondern auch den Protestanten suspekt. Mit den letzteren verdirbt er es sich völlig mit der Schrift Avis important aux réfugiés (1690), worin er vor den Umtrieben der Scharfmacher unter den emigrierten Hugenotten warnt, die Holland und England in einen Rachekrieg gegen Louis XIV zu treiben versuchten, der 1685 das von Henri IV erlassene Toleranz-Edikt aufgehoben hatte (das berühmte Édit de Nantes).

    Bayle verliert seine Professur und widmet sich nun ganz seinem Hauptwerk, dem Dictionnaire historique et critique (2 Bde 1695/96, 4 Bde 1702), worin er eine kritische Sichtung des theologischen, philosophischen und historischen Wissens seiner Zeit vornimmt und mit dem er eine neue Sachbuchgattung, das Lexikon, kreiert. (Eine dt. Übersetzung, verfasst von Gottsched, erscheint 1741-44 als Peter Baylens historisches und kritisches Wörterbuch.)

    Bayle ist auch als Journalist bedeutend, nämlich als Herausgeber und Beiträger der Zeitschrift Nouvelles de la République des Lettres (1684-87), die sich an jenes über ganz Europa verstreute Publikum richtet, das das Französische als die Sprache von Bildung und Wissenschaft beherrscht. Bayle gilt heute als einer der wichtigsten Wegbereiter der europäischen Aufklärung.

    nach: Prof. Gert Pinkernell,
    Französische Literatur
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