Willkommen bei der Frankreich-Experte

Home Fotogalerie Frankreich-Forum Linksammlung Suche

Themen

. Geschichte
. Regioführer
. Geographie
. Kultur
. Gesellschaft
. Lifestyle
. Politik
. Wirtschaft
. Sprache

. Frankreich-ABC
. Inhalt


Reisen

. Hotels
. Ferienhäuser
. Campingplätze
. Mietwagen
. Hausboote
. Flüge


Frankreich-Visuell

Literatur: Theater des 20. Jahrhunderts

Anouilh, Jean

    .
    .
    Geburtsdatum 23. Oktober 1910
    Geburtsort

    Bordeaux

    Sterbedatum 3. Oktober 1987
    Sterbeort

    Lausanne

    Jean Anouilh ist geboren als Sohn eines Schneiders und einer Musikerin in Bordeaux. Sein erster Kontakt mit der Welt der Bühne erfolgt 1919, als er während der Ferien die Theater-Aufführungen im Kasino des nahen Seebades Arcachon miterlebt, wo seine Mutter im Kur-Orchester spielt. Im selben Jahr zieht die Familie um nach Paris, wo Anouilh das Collège Chaptal (ein katholisches Gymnasium) besucht.

    1927 – inzwischen ist er Theaterfan und versucht sich selbst an ersten Stücken – beeindruckt ihn die Hamlet-Inszenierung des großen Regisseurs Georges Pitoëff. Zugleich beeinflussen ihn die Stücke von Paul Claudel, George Bernard Shaw und Luigi Pirandello. 1928, nach dem baccalauréat, beginnt er lustlos ein Jurastudium, das er rasch aufgibt, als er im selben Jahr das neue Stück Siegfried von Jean Giraudoux wie eine Offenbarung erlebt.

    Nachdem er einen Job in einer Werbeagentur bekommen hat (wo er "la précision et la souplesse stilistique" gelernt habe), schreibt er 1929 seine ersten aufführungsreifen Stücke, Humulus le muet und Mandarine. 1930 ist er für einige Monate Sekretär des bekannten Regisseurs Louis Jouvet an der Comédie des Champs Elysées, doch Jouvet ist unzufrieden mit ihm. Anouilh tritt daraufhin erst einmal seinen Militärdienst an, wird aber bald ausgemustert und kehrt zurück nach Paris. 1932 heiratet er die Schauspielerin Monelle Valentin (mit der er kurz darauf eine Tochter haben wird) und erlebt die erste Inszenierung eines seiner Stücke, L'Hermine, das 90 Aufführungen erreicht. Er beschließt nun, vom Theater zu leben, doch wird 1933 sein älteres Stück Mandarine ein Misserfolg.

    Anouilh muss seinen Lebensunterhalt als Co-Autor von Filmdrehbüchern verdienen. 1935 ist das Stück Y avait un prisonnier mit 65 Aufführungen wieder halbwegs erfolgreich; Hollywood kauft ihm sogar die Filmrechte ab (ohne dass der Film je gedreht wird).

    Anouilhs Durchbruch ist 1937 Le Voyageur sans bagages, in der Inszenierung von G. Pitoëff. 1938 folgen La Sauvage und das schon 1932 verfasste Bal des voleurs, das sein erstes auch im Ausland aufgeführtes Stück wird. 1940 ist er kurz Soldat und kurz auch in deutscher Kriegsgefangenschaft. 1941 kann er im besetzten Paris Le Rendez-vous de Senlis (geschrieben 1937) aufführen lassen, wobei es vielleicht hilfreich ist, dass er politisch – so wie zunächst die meisten Franzosen – auf der Seite des neuen Staatschefs Pétain und seines rechtsgerichteten Regimes steht und hin und wieder für rechte Zeitschriften schreibt. Er verfasst das pseudo-antikisierende Stück Eurydice (eine Art Replik auf das ebenfalls pseudo-antikisierende Orphée von Jean Cocteau, 1926) und konzipiert im Spätsommer/Winter 41/42 Antigone, nach dem Muster der antikisierenden Stücke La Guerre de Troie n'aura pas lieu und vor allem Électre von Jean Giraudoux.

    Antigone wird aber erst im Februar 44 aufgeführt und ist dann mit Les Mouches (1943) und Huis clos (1944) von Jean-Paul Sartre das meistgespielte Stück in der Besatzungszeit.

    1945, nach der Libération, scheitert Anouilh bei dem Versuch, mit einer Unterschriftenaktion die Begnadigung des Autor Robert Brasillach zu erreichen, der wegen Kollaboration zum Tode verurteilt worden war. In der Folgezeit scheinen Privatleben und Dramatikerexistenz bei Anouilh zu verschmelzen. Er schreibt fast jedes Jahr ein neues Stück, das auch stets sofort in Paris, in der Provinz und auch im Ausland aufgeführt wird. 1952 ist La Valse des toréadors ein Welterfolg. Andere sehr erfolgreiche Stücke (neben vielen weiteren, weniger bekannt gewordenen) sind:

    • L'Alouette (1953), das ironisch-pessimistisch die Geschichte von Jeanne d'Arc behandelt;
    • Pauvre Bitos ou Le dîner de têtes (1956), das den Übereifer der Nachkriegsjustiz gegenüber den Kollaborateuren geißelt und als Skandalon wirkt in einer Zeit, wo man den Mythos der gemeinsamen Résistance aller Franzosen kultiviert;
    • Becket ou l'Honneur de Dieu (1959), das mitten im Algerienkrieg verschlüsselt für die Gleichberechtigung und Integration der Algerier wirbt und die Problematik des neuen Regierungschefs De Gaulle darstellt, der sich nach seiner Wahl vom Falken zur Taube gewandelt hatte.

    1962 betätigt sich Anouilh mit seinen Fables, die sarkastisch Fabeln von La Fontaine pastichieren, nicht ohne Erfolg in einem ganz ungewohnten Genre. 1980 erhält er als Auszeichnung für sein gesamtes Oeuvre den neugeschaffenen Grand Prix du Théâtre de l'Académie Française.

    Kurz vor seinem Tod in Lausanne, wo er seit vielen Jahren zurückgezogen lebt, publiziert er unter dem seltsamen Titel La Vicomtesse d'Éristal n'a pas reçu son balai mécanique, seine Memoiren aus den Jahren 1928 bis 1945. Nachdem er zwei Jahrzehnte lang die französischen Bühnen beherrscht hat, scheint Anouilh zur Zeit in jenes purgatoire der Schriftsteller eingetreten, aus dem das Wiederherauskommen unsicher ist.

    nach: Prof. Gert Pinkernell,
    Französische Literatur
    .

    Werke:

    • Le Voyageur sans bagage, 1937
    • Le Bal des voleurs, 1938
    • Le Rendez-vouz de Senlis, 1942
    • Antigone, 1944
    • L'Invitation au château, 1947
    • Roméo et Jeannette, 1947
    • Médée, 1953
    • Ornifle ou le Courant d'air, 1955
    .
    .

Anzeige

Copyright © by www.frankreich-experte.de
Impressum / Kontakt