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Antoine (vicomte) de Saint-Exupéry (19001944). Dieser heute langsam in die zweite oder gar dritte Reihe relegierte Erzähler war zu seinen Lebzeiten sehr erfolgreich und nach seinem frühen Tod ein Kultautor der Nachkriegsjahrzehnte, obwohl er selbst sich mehr als einen nur nebenher schriftstellernden Berufspiloten sah. Saint-Ex (wie ihn seine Verehrer später liebevoll nennen werden) ist geboren in Lyon als drittes von fünf Kindern aber erster Sohn eines Vicomte, der plötzlich stirbt, als der Junge vier ist. Er wächst zunächst auf in Lyon und auf Gütern der Familie in Südfrankreich. 1909 kommt er mit seinem wenig jüngeren Bruder ins Internat eines von Jesuiten geführten Gymnasiums in Le Mans. Hier wird er 1912 zum ersten Mal auf einen Flug mitgenommen und ist fasziniert. Die letzten Gymnasialjahre verbringen er und sein Bruder in einem Internat der Marianisten in Freiburg/Schweiz. Nach dem "bac" (1917) besucht er am Lycée Saint-Louis in Paris Classes préparatoires für den Concours (Aufnahmeprüfung) der École navale, weil er Marineoffizier werden will. Er hat jedoch kein Glück beim Concours und ist zusätzlich erschüttert, als sein Bruder plötzlich stirbt. 1919-21 studiert er lustlos Architektur in Paris. 1921-23 absolviert er seinen Wehrdienst bei der Luftwaffe und wird zum Flugzeugmechaniker und schließlich zum Piloten ausgebildet. Hiernach könnte er als Berufsoffizier und -pilot bei der Luftwaffe bleiben, doch ist die Familie seiner adeligen Verlobten, der Schwester eines Pariser Klassenkameraden, vehement gegen eine derart gefährliche Existenz ihres Schwiegersohns in spe. In Erwartung der Eheschließung, aus der dann aber doch nichts wird, arbeitet Saint-Ex als biederer Angestellter bei Pariser Firmen. Nebenbei fliegt er, wann immer er kann, hat allerdings im Salon einer adeligen Kusine auch Kontakte mit Pariser Literaten. 1925 tritt er erstmals als Autor hervor mit der Novelle L'Aviateur. Ende 1926 wird er von der Luftfrachtgesellschaft Latécoère in Toulouse eingestellt, zunächst beim Bodenpersonal. Bald aber kommt er zu den Piloten und fliegt anfangs die Etappe ToulouseCasablanca, dann CasablancaDakar. 1927/28 ist er 18 Monate Chef des einsamen Zwischenlandeflugplatzes Cabo Juby in der damaligen spanischen Kolonie Sahara, wo er sich mit den aufsässigen Beduinen der Gegend herumschlagen und mehrfach in der Wüste notgelandete Kollegen retten muss, meist aber auf das jeweils nächste Flugzeug wartet. Hier schreibt er seinen ersten längeren Text, den kleinen Roman Courrier Sud (1928), der den letzten Flug eines Piloten samt einer eingeschobenen, ebenfalls unglücklich endenden Liebesgeschichte erzählt. 1929 absolviert er eine Fortbildung in Navigation bei den Marinefliegern in Brest und geht anschließend für seine Gesellschaft nach Argentinien, um in diesem damals reichsten Land Südamerikas Luftfrachtlinien einzurichten. Dort bekommt er hautnah die Geschichte der Notlandung eines Kameraden im Schneesturm mit und verarbeitet sie zu dem Roman Vol de nuit (1931), der mit dem Prix fémina ausgezeichnet wird und seinen Durchbruch als Autor bedeutet. Nachdem er Anfang 1931 in Frankreich mehr nebenher eine jung verwitwete Argentinierin geheiratet hat und anschließend wieder teils als Streckenpilot in Westafrika, teils als Versuchspilot für Wasserflugzeuge geflogen ist (wobei er einmal fast ertrinkt), wird er 1934 von der neuen Air France eingestellt, zu der sich mehrere Luftfahrtgesellschaften zusammengeschlossen haben. In den nächsten Jahren führt er eine gemischte Existenz als Flieger, Werbebeauftragter, Journalist und Autor. So fliegt er z.B. 1934 werbewirksam nach Saigon (der damaligen Hauptstadt der damaligen franz. Kolonie Vietnam) und 1935 auf einer Vortragsreise rund ums Mittelmeer. Im Mai 1935 besucht er im Auftrag der Zeitung France Soir Moskau, mit dem Paris gerade einen Beistandspakt gegen Hitler-Deutschland geschlossen hat, und schreibt eine vielbeachtete Artikelserie über seinen Aufenthalt. Ende 1935 muss er bei einem Versuch, den Streckenrekord ParisSaigon einzustellen, in der ägyptischen Wüste notlanden, wird aber gefunden und gerettet. Im Frühjahr 1937 verbringt er im Auftrag von France Soir einen Monat als Reporter im Spanien des Bürgerkriegs, den er von der republikanischen Seite her schildert (die von der neuen franz. "Volksfront"-Regierung unterstützt wird). Mitte Februar 1938 macht er den Versuch eines Rekordfluges New YorkFeuerland (Südargentinien), stürzt aber in Guatemala beim Start nach einer Zwischenlandung ab und wird schwer verletzt. Als Rekonvaleszent in New York stellt er aus neuen und schon älteren Texten den Sammelband Terre des hommes zusammen, dessen Erzählungen vor allem ein hohes Lied der Kameradschaft unter Männern, der Pflichterfüllung und der Solidarität und Menschlickeit singen. Das Buch trifft bei seinem Erscheinen Anfang 1939 offenbar den Nerv der Zeit und hat großen Erfolg. Es erhält den Grand Prix du Roman de l'Académie française; auch die amerikanische Übersetzung geht sehr gut und wird preisgekrönt. Saint-Ex kehrt gerade von einer Reise zu seinem amerikanischen Verleger zurück, als im September 39 der Krieg ausbricht. Er wird eingezogen und fungiert zunächst als Ausbilder und, nach dem Beginn der Kriegshandlungen im Mai 40, als Pilot bei einem Aufklärungsgeschwader. Den Waffenstillstand und die anschließende Demobilisation erlebt er in Algerien, danach hält er sich zunächst auf dem Landgut seiner Schwester in Südfrankreich auf und schreibt an einem schon 1936 begonnenen größeren lyrisch-philosophisch-moralistisch-erzählerischem Werk, Citadelle (das erst postum als Fragment erscheinen wird). Ende 1940 geht er über Marokko und das neutrale Portugal in die USA, wo seine amerikanischen Autorenhonorare geparkt sind, er aber Probleme mit den meist Pétain-treuen New Yorker Franzosen hat. Bei einem längeren Besuch in Kalifornien, wo der dort im Exil lebende Regisseur Jean Renoir Terre des hommes verfilmen möchte, verfasst Saint-Ex 1941 das Erlebnisse von Mai/Juni 40, während des "blitz allemand" und des französischen Debakels, verarbeitende Buch Pilote de guerre, das 1942 zunächst in amerikanischer Übersetzung herauskommt und bei seinem Erscheinen in Frankreich von der Zensur des Vichy-Regimes verboten wird. Anfang 1943 werden in New York die die Franzosen in aller Welt zum Widerstand aufrufende Lettre à un otage gedruckt sowie die märchenhafte kleine Erzählung Le petit prince, die sich wie ein Akt der Verdrängung der Realität des Krieges in Europa und der Heimatlosigkeit des Autors im amerikanischen Exil liest und die langfristig sein bekanntester Text werden sollte mit u.a. rd. 50 Übersetzungen in andere Sprachen. Im Mai 43 begibt sich Saint-Ex in das inzwischen von anglo-amerikanischen Truppen kontrollierte Algerien und wird wieder Luftwaffenpilot. Seine Flugkünste haben aber nach der langen Pause gelitten, und als er im Juli bei der Rückkehr von einem seiner ersten Flüge eine Bruchlandung baut, wird er unter Hinweis auf sein Alter und seine diversen Verletzungen ausgemustert. Enttäuscht sitzt er in einem kleinen Zimmer in Alger, beschäftigt sich mit technischen Problemen der neuen Düsentriebwerke (denn er besitzt schon etliche flugtechnische Patente), schreibt aber auch weiter an Citadelle. Da er ja kein Nobody ist, gelingt es ihm nach längeren Demarchen, für eine begrenzte Zahl von Aufklärungsflügen reaktiviert zu werden. Diese unternimmt er zuerst vom inzwischen amerikanisch besetzten Sardinien aus, dann vom zurückeroberten Korsika. Am 31. Juli startet er morgens zu seinem letzten geplanten Aufklärungsflug Richtung Südfrankreich, der sein überhaupt letzter Flug werden sollte: er kehrt nicht zurück und bleibt verschollen. Nachdem man lange vermutete, er sei quasi als strahlender Held im feindlichen Feuer geendet, und auch einen Selbstmord nicht auschließen wollte, sieht man ihn heute eher als Opfer eines trivialen technischen Defekts. Das mutmaßliche Wrack seiner Maschine wurde vor einiger Zeit (2000) auf dem Grund des Mittelmeers bei Marseille geortet.
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